| Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in |
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Die 3½ jährige Berufsausbildung zum Orthopädiemechaniker/-in Bandagist/-in erfolgt im heimatlichen Ausbildungsbetrieb und an der Berufsschule. Für die Arbeit an Körperbehinderten sind Kenntnisse zum anatomischen Aufbau des Menschen wichtig, des Weiteren müssen berufsspezifische Krankheitsbilder sowie Grundlagen der Patientenpsychologie für den Umgang mit Körperbehinderten beherrscht werden. Die Zusammenarbeit mit Ärzten und medizinischem Fachpersonal erfordert den täglichen Umgang mit medizinischen Fachbegriffen in Latein und Griechisch. Bedingt durch die nationale und internationale Forschung in Medizin und Wissenschaft entwickelt sich derzeit Englisch als neue Kommunikationsmöglichkeit. Zum Berufsbild zählen vorrangig die Maßnahme, Anfertigung, Anprobe und Wartung von Hilfsmitteln wie Orthesen, Prothesen, Rollstühlen, Bandagen etc. Während früher die meisten Artikel handwerklich als Einzelstücke gefertigt wurden, werden heute zunehmend auch industrielle Vorprodukte eingesetzt und Passteile in die Versorgungen integriert. Die sprunghafte Entwicklung moderner Werkstoffe in den letzten Jahrzehnten ergänzt mittlerweile die traditionellen Werkstoffe Metall, Leder, Holz und Textilien durch Leicht-Metalle (z.B. Titan), Thermoplaste, Schäume, Silikone. Gießharze werden mit Karbon und Kevlar verstärkt, Kombinationen verschiedenster Werkstoffe ermöglichen leichte und hochfeste Produkte.
Für eine individuelle Passform der orthopädischen Erzeugnisse ist eine Maßnahme am Patienten erforderlich. Neben dem Abformen von Körperteilen durch Gipsabdruck und dem Ausmessen von Längen und Umfängen treten zunehmend neue Messmethoden in den Vordergrund: CAT-CAM für Prothesen, Korsette und Beinprothesen, computerunterstützte Ganganalyse, elektronische Fußdruckmessung.
Zur Verwaltung von Kundendaten, Lagerhaltung und Kostenrechnung werden betriebsintern oft Computerprogramme und Internetportale genutzt. Ein wichtiger Bereich in der Orthopädietechnik ist das Sanitätshaus mit Verkauf von Fertig-Artikeln, Patientenbetreuung und Kundenberatung. Neben den Kenntnissen zur Produktpalette sind Abrechnungsmodalitäten, Verkaufsgespräche und Bestellsysteme wichtig. Werbung und Präsentation wirken als erfolgreiche Mittel der Kundenbindung. Neben der Arbeit im Werkstattbereich erfolgen zahlreiche Tätigkeiten bei Hausbesuchen, in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen. Die tägliche Mobilität ist damit für den Mitarbeiter der Orthopädietechnik ein unverzichtbarer Bestandteil seines Berufes. Der Umgang mit Körperbehinderten, die individuelle Fertigung von Einzelprodukten und die Verknüpfung von traditionellen und modernen Technologien, Werkstoffen und Produkten sowie das Anliegen, mit der eigenen Arbeit die Lebensqualität der Patienten verbessern zu können, machen die Tätigkeit des Orthopädiemechaniker/Bandagisten zu einem anspruchsvollen und weit gefächerten Berufsbild. |



